Am 20.06.13 wurde vor dem Verwaltungsgericht Köln die Klage eines Bonner Informatik-Studenten gegen die Anwesenheitspflichten an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät verhandelt. Die Frage, ob Studierende in Veranstaltungen grundsätzlich physisch präsent sein müssen, oder ob das Lernen auch in Eigenverantwortung möglich ist, ist ein strittiges Thema, das seit Jahren an der gesamten Universität Bonn wie auch an anderen Hochschulen zu Konflikten führt – Befürworter wie Gegner der Anwesenheitspflicht verfolgten das Verfahren daher mit Spannung.

Eine Grundsatzentscheidung über die Zulässigkeit von Anwesenheitspflichten konnte am Donnerstag jedoch nicht getroffen werden, da sich herausstellte, dass schon die universitätsinterne Ordnung, die festlegt, in welchen Fällen Anwesenheit als verpflichtend gilt, nicht eingehalten worden war. Diese gravierenden Fehler in der Ausführung mussten die Vertreter der Universität dann auch eingestehen. Die Klage des Studenten wurde für erledigt erklärt, nachdem das Gericht klarstellte, dass die in der Prüfungsordnung vorgesehene Anwesenheitspflicht in seinem Studiengang schon verfahrensrechtlich falsch zustande gekommen war. Die in den vergangenen Jahren an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät erhobene Anwesenheitspflicht hat sich somit als unrechtmäßig erwiesen

Die grüne Hochschulgruppe der Uni Bonn ist sehr erfreut über das Ergebnis, das die von den studentischen Vertreterinnen und Vertretern der ghg-campus:grün regelmäßig angemahnten verfahrensrechtlichen Defizite der Universität deutlich aufzeigt. Der Präsident des Studierendenparlaments Marco Penz (ghg-campus:grün) ist zudem erstaunt, welch unterschiedliche Maßstäbe das Justiziariat der Universität an die Rechtmäßigkeit von Ordnungen anlegt. „Während die Genehmigung einer dringend notwendigen Änderung der Satzung der Studierendenschaft aus nicht nachvollziehbaren rechtlichen Bedenken verweigert wird, werden ganz offensichtlich fehlerhaft zustande gekommene Beschlüsse vom Justiziariat verteidigt.“

Mit dieser Niederlage der Uni wird auch die Philosophische Fakultät konfrontiert werden, denn auch hier ist es evident, dass die gültige Prüfungsordnung nicht eingehalten, sogar bewusst gebrochen wird, nur damit es die Anwesenheitspflicht weiterhin geben kann. „Seit Jahren löst hier im Semestertakt ein fehlerhaftes Verfahren das vorherige ab, statt dass in Zusammenarbeit und im Sinne aller Beteiligten einmal eine konstruktive und nachhaltige Lösung gefunden wird,“ sagt Senatsmitglied Jakob Horneber. ghg-campus:grün fordert die Universität Bonn auf, sich in allen Aspekten an rechtliche Rahmenbedingungen zu halten und auf eine Anwesenheitspflicht zu verzichten, wenn sie zum Erreichen des Lehrziels nicht notwendig ist.