Die Grüne Hochschulgruppe Bonn kritisiert die geplante Einrichtung der „Henry-Kissinger-Professur“ scharf und fordert, diese Mittelbesser für ernst zu nehmende Friedensforschung einzusetzen.

 Der 2014 neu geplante Lehrstuhl für Internationale Beziehungen und Völkerrechtsordnung an der Universität Bonn soll den Namen des ehemaligen amerikanischen Nationalen Sicherheitsberaters und Außenministers tragen und allein durch Mittel des Bundes-Verteidigungs- und Außenministeriums finanziert werden.

 Die Laudatio von Außenminister Westerwelle, bei Bekanntgabe dieser Entscheidung, Henry Kissinger habe sich

 „in herausragender Weise um Friedenspolitik und Entspannung, um Sicherheit und Abrüstung in der Welt verdient gemacht“

 entgegnet Lukas Mengelkamp, Arbeitsvorstand der grünen Hochschulgruppe Bonn:

„Wie diese Aussage mit der Beteiligung Kissingers am Militärputsch in Chile 1973, der Unterstützung der argentinischen Militärjunta in den 70ern und der Tolerierung der Invasion Ost-Timors 1975 in Einklang gebracht werden soll, erschließt sich uns nicht.“

Die Grüne Hochschulgruppe erinnert an die völkerrechtswidrige Bombardierung des neutralen Kambodschas während des Vietnamkrieges mit über 200.000 Toten. „Vor diesem Hintergrund ‚von einer Beflügelung der Forschung und Lehre auf den Gebieten der internationalen Beziehungen und Völkerrechtsordnung‘ auszugehen, wie Rektor Fohrmann dies tut, lässt nichts Gutes erwarten“, so Mengelkamp weiter.

Mit dem Friedensforschungsinstitut Bonn International Center for Conversion und dem Institut für Historische Friedensforschung haben sich die Stadt Bonn und die Universität dafür entschieden, einen Beitrag für eine friedlichere Welt zu leisten. Die Einrichtung der „Henry-Kissinger-Professur“ konterkariert diesen Ansatz völlig. Aus diesem Grund fordert die grüne Hochschulgruppe von der Einrichtung eines so benannten Lehrstuhls abzusehen.

Allgemein sieht die grüne Hochschulgruppe die finanzielle Beteiligung des Bundesverteidigungsministeriums an Forschungsprofessuren ziviler Hochschulen kritisch. Die Denomination der Professur lässt vor diesem Hintergrund Zweifel daran aufkommen, ob das Engagement friedensstiftender Motivation entspringt.

Wenn die Bundesregierung und die Universität ernsthaft eine Professur aufstellen wollen, welche sich dem Frieden, den Internationalen Beziehungen, dem Völkerrecht, der Sicherheit und der Abrüstung verschreiben soll, dann sollte sie beispielsweise „Olof-Palme-Professur“ genannt werden. Denn diese Person hat sich tatsächlich in herausragender Weise um Friedenspolitik und Entspannung verdient gemacht.

 

Link zur Pressemitteilung der Universität Bonn vom 26.05.2013: http://www3.uni-bonn.de/Pressemitteilungen/118-2013