In einem Interview mit dem Deutschlandradio vom 1. Februar 2014 bezeichnete der Bonner Politikwissenschaftler Prof. Dr. Christian Hacke den Protest der Studierendenschaft gegen die so genannte „Henry Kissinger Professur für Internationale Beziehungen und Völkerrechtsordnung“ als „Irrwitz“. Im Namen der
Grünen Hochschulgruppe Bonn erklärt der Arbeitsvorstand Lukas Mengelkamp:

„Wenn Herr Hacke den Protest gegen die Henry Kissinger Professur als ‚Irrwitz‘ abstempelt, ohne für diese Bewertung sachliche Argumente vorzubringen, zeigt dies erneut, dass die Befürwortenden der Professur auf Kritik offenbar nur mit Allgemeinplätzen und diffamierenden Äußerungen antworten können.“

Die Grüne Hochschulgruppe Bonn fordert zum wiederholten Mal zu einer kritischen Diskussion des Vorhabens auf. Denn nicht die Kritik an dem Lehrstuhl selbst, sondern die Ehrung eines Mannes, dem Völkerrechtsbruch und Kriegsverbrechen vorgeworfen werden, stellt den „Irrwitz“ dar. Hacke geißelte den Bonner AStA und „andere linke Gruppierungen“ für ihre Haltung im Rahmen eines Plädoyers für eine „realistischere Betrachtung“ der Außen- und Sicherheitspolitik an deutschen Hochschulen. Dazu ergänzt Charlotte Schwarzer-Geraedts aus der Grünen Hochschulgruppe:

„Eine ‚realistische Betrachtung‘ der Außen- und Sicherheitspolitik in Bonn heißt konkret, dass zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik ein Lehrstuhl hauptsächlich vom Verteidigungsministerium finanziert werden soll. Im Sinne einer kritischen und unabhängigen Forschung und Lehre werden wir als Hochschulgruppe auch weiterhin dagegen protestieren.“

Zudem sollte sich Herr Hacke als Bonner Emeritus daran erinnern, dass die Kritik nicht von “ irgendwelchen AStA-Leuten oder ähnlichen linken Gruppierungen“ geäußert wird, wie er im Rundfunk vorgab, sondern neben anderen von der demokratisch legitimierten Bonner Studierendenvertretung. Für eine gute Debattenkultur an der Universität spricht der Umgang mit der Kritik sicherlich nicht. Lange versuchte man, die Kritik tot zu schweigen und wenn es Reaktionen gab, dann wurde lediglich auf die „Ambivalenz“ Kissingers verwiesen. Die Bezichtigung, der Bonner AStA verbreite „Irrwitz“, stellt nun tatsächlich
einen Höhepunkt der Debatte dar, wenn auch einen traurigen.

Quellenverweis:
Deutschlandradio,Interview mit Professor Christian Hacke, Politikwissenschaftler, Uni Bonn, ab Minute 8:00, [01.02.2014]