Sehr geehrter Herr Rektor, sehr geehrter Herr Kanzler,

gemeinsam mit Ihnen sind wir um den Erhalt der Universität Bonn als ausgewiesene Lehr- und Forschungsinstitution bemüht. Wie wir jedoch von Fakultätsratsmitgliedern erfahren mussten, ist geplant, an unserer Universität bis zur Übergabe des Rektorats an Ihren Nachfolger in wenigen Monaten insgesamt 17 Professuren zu streichen. Damit soll das „strukturelle Defizit“, welches sich dem Vernehmen nach auf 8 bis 10 Mio. Euro beläuft, ausgeglichen werden.

Im Zusammenhang mit dieser neuen Sparwelle können nur Professuren wegfallen, die aktuell oder in der nächsten Zeit neu zu besetzen sind, wodurch strukturell sinnvolle Planungen zur Entwicklung unserer Hochschule hinsichtlich der Ausrichtung von Lehre und Forschung verhindert und einem Sparzwang geopfert werden. Stattdessen werden entweder die betroffenen Institute unter Zeitdruck gesetzt und eine Entscheidung zur Kürzung eines Lehrstuhls binnen weniger Wochen erwartet oder eine direkte Forderung nach der Nichtbesetzung einer Professur durch das Rektorat kommuniziert.

Das „strukturelle Defizit“ ist auf vielfältige Weise über Jahre hinweg entstanden und kann durch diese Sparmaßnahmen nicht grundsätzlich beseitigt werden. Engpässe in Planung und Verwaltung aufgrund unzureichender Mittel werden zu neuen Defiziten führen, da auch die Mitarbeiter der Hochschulverwaltung unserer Universität die mangelhafte Finanzierung seitens der Landesregierung nicht ausgleichen können. Auch führen einige Absurditäten der Drittmittelfinanzierung, welche die fehlende Grundfinanzierung des Hochschulwesens aus Düsseldorf ausgleichen sollen, nach Ablauf der Förderperiode durch den Bund dazu, dass diese Aufwendungen aus bestehenden Mitteln zu leisten sind. Dies wird zusätzliche Kürzungen im Bestand nach sich ziehen – die nächste Sparwelle ist trotz der avisierten Einsparungen ceteris paribus bereits jetztabsehbar.

Wir wehren uns nicht gegen sinnvolle und im Zuge der universitären Selbstverwaltung diskutierte Strukturveränderung: Auch wir stehen inneruniversitärem Wandel aufgeschlossen gegenüber. Wenn dieser Wandel aber stets durch Mittelverknappung diktiert wird, sehen wir Diskussions- und Handlungsbedarf. Es kann aus unserer Sicht indes nicht sein, dass derzeit und zukünftig Lehre und Forschung eingeschränkt werden und damit Studierende, Lehrende und Mitarbeiter aller Ebenen für Misswirtschaft aufkommen müssen.

Verschärfend kommt derzeit hinzu, dass auch und gerade die Dekanate und deren gewählte Vertreter über die Rektoratsentscheidung nicht rechtzeitig in Kenntnis gesetzt wurden, geschweige denn mit in den Prozess eingebunden waren. Damit wurde diese wichtige strukturelle Entscheidung, die die Zukunft unserer Alma Mater maßgeblich beeinflusst, ohne die Beteiligung der gewählten Gremien gefasst. Das Auskunftsrecht und die Entscheidungsmöglichkeiten der Fakultätsratsmitglieder wurden so effektiv unterlaufen.

Kein Zweifel: Von diesen Einsparungen sind alle Universitätsangehörigen betroffen. Wir gehen davon aus, dass auch Sie diese Kürzungen nur ungern vollziehen wollen, da das Lehrangebot bei den geplanten Kürzungen nicht in dem bisherigen Umfang und der Vielfalt, für welche die Universität Bonn bekannt ist, aufrechterhalten werden kann. Bereits jetzt ist bekannt, dass unter den zu streichenden Lehrstühlen „Kleine Fächer“ vertreten sind, die in Ausrichtung und Umfang lediglich in Bonn studiert werden können. Durch diese und zukünftige Sparwellen sehen wir bei solch einem Vorgehen mittelfristig den Status einer Volluniversität in Gefahr.

Obwohl es sich bei den aktuellen Kürzungen um Entscheidungen von größter Bedeutung handelt, werden die Betroffenen und die Universitätsöffentlichkeit vor vollendete Tatsachen gestellt, während die entscheidenden Schritte an anderer Stelle durch schwer bis gar nicht nachvollziehbare Prozesse und Beteiligte beschlossen worden sind. Wir fordern daher die Offenlegung Ihrer Kriterien für die aktuellen Kürzungsentscheidungen sowie einen generell offenen Dialog über die zukünftige Ausrichtung unserer Universität und eine transparente Entscheidungsfindung in solch wichtigen Belangen. Zudem fordern wir im Besonderen die Revidierung der aktuellen Kürzungsentscheidungen und stattdessen das gemeinschaftliche Erarbeiten langfristig ausgerichteter Pläne einer gesicherten Grundfinanzierung zum Erhalt der Qualität von Forschung und Lehre an unserer Universität Bonn.

Mit freundlichen Grüßen

 

Unterzeichnet wurde der Brief bereits von zahlreichen studentischen Vertreterinnen und Vertretern aus Fachschaften, Uni-Gremien und Hochschulgruppen – so auch von uns.