Die Uni Bonn freut sich wieder mal über die Ehrung eines Politikers, die Studierenden wieder mal nicht allzusehr.

Heute startet Sigmar Gabriels Seminarreihe zu Deutschlands und Europas Rolle in der Welt. Nachdem der ehemalige Außenminister in den letzten Wochen vor allem durch peinliches parteiinternes Nachtreten gegen seine Genoss*innen aufgefallen ist, darf er nun sein politisches Gewicht als Lehrbeauftragter der Bonner Uni in den Ring werfen.

Natürlich ist es toll, dass hier neben einiger politischer Erfahrung sogar das Staatsexamen als Lehrer hinzukommt und die Didaktik vielleicht etwas outdated ist, aber immerhin nicht völlig zu kurz kommt.

Auch nicht zu kurz kommt die Ehrung für jemanden, der in seinen Zeiten als Wirtschafts- und Außenminister unter anderem die TTIP-Verhandlungen stark gefördert hat (trotz zunächst anderweitiger Aussagen mitsamt der intrsnsparenten, nicht-staatlichen Schiedsgerichte), der Vorratsdatenspeicherung ziemlich gut findet, dessen mehr als zweifelhaftes Verhalten gegenüber Israel sogar von der Terrororganisation Hamas beklatscht wurde und in dessen Zeit ein neues Hoch an deutschen Rüstungsexporten gefallen ist – auch und vor allem in Länder, die nicht unbedingt als Vorzeigedemokratien gelten und die just in diesem Moment ihre Nachbarn mit Kriegen überziehen (Türkei, Saudi-Arabien).

Insgesamt erinnert das Ganze an die Einrichtung der Kissinger-Professur. Damals freute sich die Bonner Uni ebenfalls über diese nominelle Prominenz, die ihr unter anderem vom Verteidigungsministerium geschenkt wurde. Auch im Namen Kissinger kulminieren verschiedene Schwerpunkte: Die Entspannungspolitik mit der Sowjetunion wird allerdings bis heute deutlich wichtiger eingeschätzt als die Bombardierungen in Südostasien und die Unterstützung von Putsch und Folter in Südamerika.

Eventuell könnte die Uni sich fragen, worauf sie Wert legt bei der Ehrung von (ehemaligen) Politikern: dass möglichst viel aus dem Nähkästchen der Politik geplaudert und eine gewisse Prominenz mitgebracht wird? Oder dass man integren Persönlichkeiten die Möglichkeit gibt, die Studierenden zu inspirieren? https://ift.tt/2pbB8Zt