Über Sigmar Gabriels fragwürdige neue Position an der Bonner Universität wurde schon einiges gesagt (wenn auch offenbar nicht so viel, dass sich jemand sonderlich daran stören würde). Über die Gäste, die er in sein Seminar einlädt, allerdings noch nicht. Hatte die Universität sich vielleicht den Besuch internationaler Politgrößen erhofft, zu denen der ehemalige Außenminister Gabriel nach Amtsende gern Kontakt halten würde, bekommt sie heute: Péter Szijjártó, seines Zeichens ungarischer Außenminister der Fidesz-Partei von Viktor Orbán.

Ob fragwürdiger Umgang mit NGOs und der Presse oder der unmenschliche Umgang mit Geflüchteten: Ungarns Weg in die bereits 2014 gewünschte „illiberale Demokratie“ ohne Opposition oder Grundsatzdebatten setzt sich fort. Szijjártó selbst, als „Schatten“ von Orbán, ist ganz vorne mit dabei und schickte unter anderem den „Soros-Plan“ an den österreichischen Bundespräsidenten; von der fixen Idee, der US-Milliardär George Soros schleuse Millionen von Geflüchteten nach Europa und wolle damit nationale Grenzen abschaffen, bis zu rechten Umvolkungsphantasien und der jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung ist es dann auch nicht mehr weit.

Warum lädt Gabriel also den ungarischen Außenminister ein, und das auch noch zum Thema „Zukunft der EU“ – während ein ums andere Mal im EU-Parlament debattiert werden muss, ob Ungarn die Werte der Union überhaupt noch vertritt? Es bleibt wohl das Geheimnis des ehemaligen Außenministers, des Instituts für Politik und Soziologie und der Uni Bonn. https://ift.tt/2pbB8Zt